Sonntag, 8. Juli 2012

26., 27. und 28. Etappe (mit Bildern!)

26. Etappe
Am Donnerstag, (05.07.2012), bin ich relativ zeitig in Campingplatz bei Rapid City losgekommen. Es ging zunächst in die Stadt um bei Safeway noch schnell eine Gallone Wasser zu "tanken". Außerdem hatten sie einen billigen (2 USD Gebühr) Geldautomaten, so dass ich meine zur Neige gehenden Geldreserven aufgefüllt habe. Das Geld aus dem Automaten wollte ich dann am Abend verteilen.
Danach ging es bei noch immer relativer Windstille am Flughafen vorbei Richtung Badlands. Hier hat wirklich jedes Dorf einen Flughafen. Rapid City ist zwar relativ groß, aber zum Beispiel auch Austin, Nevada oder auch Murdo, South Dakota haben einen.

In den ersten beiden Stunden habe ich etwa 45 km geschafft, womit ich ganz zufrieden war. Da ich außerdem noch reichlich potentielle Energie zurückbekommen sollte, habe ich mich auf einen angenehmen Tag gefreut. Die Wettervorhersage mit Gegenwind und gelegentlichen Gewittern am Nachmittag und Abend habe ich erstmal verdrängt. Übrigens, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann stammt die potentielle Energie noch von der Etappe vom Lake Folsom nach Sand Flat in Kalifornien (4. Etappe). Zwischendrin ging es nicht unter 3000 ft.
Wolken, die bedrohlicher aussehen als alles seit San Fancisco
Aber natürlich stimmt die Wettervorhersage und es folgt Gegenwind - Gegenwind, welcher die sanften Gegensteigungen zur Qual werden lässt. Die Strecke wird immer länger. Aus meiner ersten Prognose: um 1 in Interior, wird eher 4. Der einzige Ort der noch kommt ist Scenic:
Geisterstadt Scenic?
Eine Geisterstadt ist es noch nicht, aber an der Hauptstraße sind alle Läden verlassen. Die amerikanische Post, eher organisiert wir das deutsche Pendant in den 80ern, unterhält noch eine Filiale in einer Nebenstraße. Dort gibt es auch den Tanaka Trading Post, wo Büffelfleisch, Holzschmuck und Cola verkauft wird. Ich kaufe eine Cola und verwende meine Geldbörse zum letzten mal. :-(
Danach geht es noch weitere 30 Meilen gegen den Wind durch die südwestlichen Ausläufer der Badlands bzw. durch ein National Grassland.
Kurz nach Scenic
Die Landschaft ist beeindruckend, aber mir fällt das Radfahren schwer, so dass ich nicht dazu komme sie zu genießen. Ich komme gegen 16:30 in Interior an, was ein nur wenig einladenderen Eindruck macht als Scenic. Es ist etwas belebter (zwei Bars, zwei Campingplätze, eine Pferdemarkt, Tankstelle, ...). Ich stelle fest, dass mein Geld und meine Kreditkarten weg sind, esse aber zunächst einen Burger in der Wagon Wheel Bar. Ich bezahle den Burger und erzähle der Barfrau (Lulu), dass ich mein Geld verloren habe und bitte sie in Scenic anzurufen. Leider ist es dort nicht gefunden wurden. Die sehr hilfsbereite Lulu und ihr Freund Dean helfen mir dann weiter. Zunächst fährt Dean mit mir in Lulus Auto die 50 km nach Scenic und zurück leider finden wir nichts.
Danach gibt mir Dean noch eine größere Menge Geld, bezahlt meinen Zeltplatz und mein Frühstück. Außerdem stiftet er John dazu an, mir ebenfalls Geld zu geben. Am nächsten Morgen bekomme ich dann noch welches von Alan. Insgesamt haben mir die 4 mit etwa 200 Dollar in Bar und Benzin geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar, weiß aber noch nicht, wie ich das wieder gutmachen soll.
etwas Schutz vor Regen (am nächsten Morgen aufgenommen)
Der Campingplatz in Interior ist genauso wie der am Cedar Pass Campground (das erfahre ich aber erst später) im Tal gelegen. Das bietet zusammen mit einem Dach Schutz vor dem drohenden Regen - vor einem Gewitter ist es wohl eher kein Schutz.
Als ich mein Rad von der Wagon Wheel Bar zum Campingplatz rolle, habe ich dann noch einen Platten - manchmal läuft halt alles mies.
Der Tag endet mit dem Sperren meiner Kredit- und EC-Karten, wofür ich 10 Dollar in Bar, 10 EUR per Lastschrift von meinem Konto und knapp 2 Stunden aufwenden muss. Dazu vielleicht später mehr.
Am Abend waren dann am Horizont noch die versprochenen Blitze zu sehen. Das Unwetter hat mich aber nicht erreicht, es gab nicht mal Regen.
Es waren 129 km in 7:34:22 (17.13 km/h).

(english paragraph)
This was the worst day so far. After good first two others the wind becomes strong head wind. I had also bad legs. I lost my wallet on the way from Scenic, a almost ghost town, to Interior. A guy called Dean drove with me the way back to Scenic in his girlfriend's (Lulu) car. Unfortunately, we did not find my wallet. Dean, Lulu, John and Alan helped me with a large amount of money. Finally I had a flat on the 500m from the Wagon Wheel Bar to the Campground.
Calling my credit card companies from a town with no coin phone and no service for mobile phones was quite difficult and cost me a lot of time (and money). I plan to explain this in detail later.

27. Etappe
Der Tag beginnt mit "all u can eat pancakes", also ganz gut. Danach packe ich zusammen. Für die Badlands, also zum Überqueren des Cedar Pass muss ich 7 USD bezahlen - es hat sich gelohnt, auch wenn ich gerade knapp bei Kasse bin.


Der Pass selbst ist ein sehr langer Abschnitt, mit vielen sehenswerten Stellen. Oben auf dem Pass habe ich gerade genug Handyempfang und es ist in Deutschland gerade noch nicht um 19:00, so dass ich noch mit meiner Bank telefonieren kann um die Sperrung zu überprüfen.
Danach geht es zunächst bei Gegenwind und bewölktem Wetter Richtung Osten. Es gibt parallel zur Interstate den SD Hwy 248, den ich fast bis zum Ende der 28. Etappe fahren werde. Teilweise verläuft er so parallel wie eine 3. Fahrtrichtung. Leider hat man für den alten US Highway 16 die Landschaft nicht so stark eingeebnet wie für die Interstate, so dass ich mehr und größere Wellen zu bewältigen habe. Der Wind kommt zwischen zeitlich von der Seite und am Ende schließlich wieder von hinten. Zusammen mit dem aufklarendem Himmel und den ersten Weizenfelder ohne Bewässerung seit Wochen bessert sich meine Stimmung zusehens. Die letzten 30 km schaffe ich dann wieder einen 25er Schnitt.
Winterweizen
Am Abend habe ich noch Dan and Char getroffen. Die beiden Rentner haben vor 25 Jahren eine 7400 Meilen Tour durch Nordamerika gemacht. Sie haben mir ein paar "Passfotos" gezeigt auf denen eine 11 oder 12 vorn stand. Die beiden haben echt heftige Touren gemacht. Zur Zeit fahren sie mit einem Wohnmobil und einem Motorrad die alten Routen ab. Es war sehr nett einige Erfahrungen auszutauschen. Außerdem haben mir die beiden erzählt, dass sehr viele Radfahrer ein bis zwei Tage vor mir unterwegs sind. Die Route parallel zur Interstate 90 scheint also sehr beliebt zu sein, obwohl sie auf keiner ACA Route liegt. Man muss aber auch einschränken, dass es ziemlich die einzige Möglichkeit ist South Dakota zu durchqueren.

Der Wechsel von Mountain Time auf Central Time, zusammen mit der Reparatur meines Hinterrades (ich habe am Cedar Pass auch nochmal den Reifen gewechselt, da der erste nicht richtig gesessen hat, ich hatte einen schlimmen Schlag, die Speichen waren aber alle noch fest, so dass ich etwas nach der Ursache suchen musste). Dazu kam noch einige Telefonate und das Gespräch mit Dan und Char. Am Ende war also nicht mehr genug Zeit für einen Blogeintrag übrig.
Es waren 120.03 km in 6:02:04 (19.93 km/h).

(english paragraph)
I had to pay 7 USD for crossing the Cedar Pass. This was actually the first time, I payed for a pass, but it was worth the money - even by being short on cash.
Afterwards I had first some headwind from the left hand side, which later turns into tailwind. I took the SD Hwy 248, which follows the Interstate 90 almost parallel. The tailwind, the sunshine in the afternoon and a good speed of about 25 km/h in the last hour get me back into good mood.
In the evening the stores were already closed (central time is one hour ahead of mountain time), but I made a nice couple. The both have done 7400 miles on bicycles through north america 25 years ago. They are now following their old routes with an RV.

28. Etappe

Der Tag begann mit einem Einkauf im örtlichen Supermarkt. Danach ging es mit leichtem Gegenwind weiter nach Osten parallel zur Interstate 90.
Landschaft in South Dakota
Mittagspause habe ich in einem Cafe in Presho gemacht, das Essen war ziemlich gut. Der dritte Tag an dem gelegentliche Gewitter und Regen vorhergesagt war, brachte dann endlich Regen. Es war aber nicht genug um die Regenausrüstung anzulegen. Ich bin nicht mal richtig nass geworden. Mein Fahrradcomputer hat wie auch gestern 25°C angezeigt und mir war kalt. Vermutlich habe ich mich zu sehr an die 35° und Sonne gewöhnt.
Eigentlich wollte ich am Missouri River campen, leider war der Platz schon voll. Ich musste dann 2 Meilen zurückfahren.
Campingplatz am Missouri, leider schon voll
Hier in Oacoma habe ich zwei weitere Radfahrer getroffen. Einer will 2015 in Europa eine 1-Monats-Tour fahren. Er wurde von mir und dem anderen, welcher ebenfalls von San Francisco nach Boston fährt, jedoch den Weg über Seattle gewählt hat, mit einigen Tipps versorgt.
Es waren 125.83 km in 6:52:45 (18.29 km/h).

(english paragraph)
The day starts with clouds again. After lunch I even catch some drops of rain. Enough to feel a little cold not wet, but not enough to put on the rain jacket. The campground Cedar Shore next to the Missouri River was already full (the same problem as every Saturday). I went back 2 miles and choose Al's Oasis Campground, where I met another biker going form San Francisco to Boston (but over Seattle). We will do the stage tomorrow to Mitchell together. I am glad to have some company, so it was the better campground.

Update: On all three days, I saw many grasshoppers. Some of them sprung into my wheels, sorry. Some of them were overrun by my bike, even more sorry. And some of them landed on my body: