Sonntag, 9. September 2012

Was gut lief

Fangen wir mit dem offensichtlichen an: Ich habe weder mein Testatment gebraucht noch meine Krankenversicherung. Ich hatte keine Unfälle und Stürtze (abgesehen vom ungeschickten Handling des Anhängers, so dass hin und wieder die Kettenblätter an meinem Bein gekratzt haben). In Silver Springs, Nevada bin ich knapp an einem Unfall vorbeigekommen. Ich hatte ein entgegenkommendes Fahrzeug beim Linksabbiegen übersehen. In Burlington, Vermont wäre ich beinahe gestürtzt als ich beim Wenden den Wendekreis und die Beschleunigung durch die leichte Hanglage unterschätzt habe. Das ist zusammengenommen aber relativ wenig für 7600 km.

Mein Rad hat, abgesehen von Reifen und Schläuchen, die Tour relativ gut überstanden. Ich musste lediglich die beiden Schaltkabel tauschen. Größere Schäden, wie Gabel- oder Felgenbruch, sind sicherlich auch aufgrund der Unfallfreiheit ausgeblieben. Ich hatte neben dem Wechsel der Verschleißteile, Kette, Reifen und Lenkerband, auch mit defekten Speichen gerechnet - insbesondere nach der ersten Etappe, bei der das Hinterrad aufgrund der hohen Belastung in den Bergaufstücken ständig seltsam geknackt hat. Aber auch meine Ersatzspeichen hatte ich umsonst dabei.

Ich hatte erwartet, dass es härter ist jeden Tag im Schnitt mehr als 120 km Rad zu fahren. Nach den ersten zwei bis drei Wochen war es schlicht Routine. Ich bin sehr selten ans Limit gegangen. Es gab natürlich auch einen gewissen Trainingseffekt. Vermutlich ist aber meine Leistung ab Wisconsin nicht mehr besser geworden.

Überraschend einfach war es dann am letzten Tag die 200 km ohne Gepäck nach Cape Cod zu fahren. Im Vergleich dazu fiel es mir in den letzten Jahren schwer mehr als 160 km zu schaffen.

Die Strecke habe ich vermutlich nicht optimal gewählt. Trotzdem bin ich ganz zufrieden mit den Highlights: die IWASEP in Napa, Lake Tahoe, Hwy 50 in Nevada und Utah, Salt Lake City, South Pass, Powder River Pass, Mount Rushmore, Badlands, Madison, Niagara Falls, Adirondack Mountains, Lake Champlain, Green Mountains, White Mountains, Boston, Plymouth und Provincetown/Cape Cod.

Alles in Allem war es eine sehr gute Tour. Trotzdem werde ich vermutlich in den nächsten 20 Jahren nicht nochmal so eine lange Tour machen. Man braucht halt schlicht unheimlich viel Zeit (und Geld). Einzig kürzere Touren (Westküste oder nur Hwy 50 von Carson City, NV bis Delta, UT) kann ich mir im Moment vorstellen. Vermutlich würde ich beim nächsten Mal mit einer höhere Durchschnittsstrecke pro Tag rechnen.

Das ist der vorerst letzte Post in diesem Blog. Ich danke allen Lesern und Kommentatoren, sowie allen die mir während der Tour geholfen haben, sie es durch aufmunternde Telefonate oder handfestere Hilfe.

Mittwoch, 22. August 2012

Lufthansa und Radtransport


Mal wieder ein Brief. Im Gegensatz zu dem an AT&T habe ich den wirklich an Lufthansa geschickt.

An Deutsche Lufthansa AG

Sehr geehrter Damen und Herren,

Ich habe mein Rennrad auf meine Reise mitgenommen. Alles begann mit einer normalen, telefonischen Anmeldung des Rades kurz nach der Buchung. Dabei wurde mir mitgeteilt, dass das Rad unverpackt transportiert wird und das au ßerdem weder die Luft aus den Reifen muss noch Pedale abgeschraubt oder Lenker verdreht werden müssen.

Leider wurde dann bereits auf den Hinflug in Frankfurt verlangt, dass ich die Luft aus den Reifen lasse. Dies ist unnötig, da ich mit dem Rad auch über 3500m hohe Pässe fahre (Anmerkung: fahren würde) und es unter  allen Bedingungen, unter denen auch die im Frachtraum transportierten Haustiere überleben, ohne besondere Vorkehrungen bewege. Abgesehen davon spielt der Luftdruck verglichen mit dem Gegendruck des Reifens nur eine kleine Rolle.

Das Entfernen der Luft aus den Reifen war ursächlich für einen defekten Schlauch, den ich auf dem Flughafen in San Francisco ersetzen musste. Dieser Schaden ist jedoch so billig, das ich keinen Ersatz erwarte.

Beim Rückflug weigerte man sich zunächst das Rad unverpackt  uberhaupt zu transportieren. Dies war unmöglich, da Sie in Boston keine Fahrradkartons verkaufen (Air France hat mir in Paris Orly mal einen verkauft) und mir auch mit dem nötigen Werkzeug, welches ich aufgrund der ersten Aussage am Telefon nicht dabei hatte, nicht helfen konnten. Nur nach längerer Diskussion, u.a. wegen Sicherheitsbedenken bezüglich eines ebenfalls im Frachtraum transportierten Hundes, wurde der Transport des Rades akzeptiert. Dazu musste ich jedoch auf Ansprüche für Schäden an meinem Rad verzichten. Es war weder genug Zeit übrig noch hatte ich ausreichend Geld um einen anderen Transport zu organisieren, so dass mir keine Wahl blieb als diese Bedingung zu akzeptieren.

Hingegen sah man in Bosten relativ schnell ein, dass die Luft in den Reifen bleiben kann. Das Rad
erlitt auf dem Transport nach Frankfurt keine Schaden.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, weil ich mir wünsche, dass Sie einheitliche Regeln für den Transport von Fahrrädern festlegen, die auch weltweit alle Ihre Mitarbeiter kennen und anwenden. Es ist schlicht nicht akzeptabel, dass man bei jedem Kontakt mit Ihrem Personal andere Antworten erhält und sich nicht sicher sein kann, dass das Rad überhaupt transportiert wird.

Mit freundlichen Grüßen 

Thomas Mach
PS: Diesen Brief habe ich auch auf meinem Blog veröff entlicht.

Freitag, 17. August 2012

Was ich (überraschend) oft gebraucht habe

Das ich das Rad fast jeden Tag gebraucht habe ist klar, es soll hier also auch um die Dinge gehen, die besonders hilfreich oder überraschend oft nötig waren:
  • Kompass: Ein Geschenk meiner Schwester. Er hat sich an einigen Stellen als hilfreich erwiesen. Wann immer ich nicht mehr genau wusste, wo ich bin oder wo Norden ist hat er mir weitergeholfen. Vor allem in Utah.
  • Travel Towel: spezielles, sehr leichtes und saugfähiges Handtuch
  • Reifenheber: Ich habe neben dem Minitool noch welche von Schwalbe (das einzige Schwalbe-Produkt dem ich noch vertraue) dabei. Mit diesen kann man etwas besser arbeiten. Aber eigentlich wollte ich nicht so oft zum Reifenheber greifen.
  • Isomatte, Schlafsack, Zelt und Innenschlafsack
  • Gaskocher, Topf, Tasse, Teller, Messer, Löffel, Taschenmesser (ein simples Schweizer nur mit Messer und Dosenöffner, den Dosenöffner hätte ich beinahe vergessen) 
  • Atlas (die Seiten von California, Utah, Wyoming, South Dakota, Minnesota, Iowa, Wisconsin, Michigan, New York, Vermont, New Hampshire und Massachusetts), Karte, Notizbücher, Netbook
  • Kindle (bis er kaputt war :-( )
  • Vaseline, Mobilat (fast eine ganze Tube), Lamisil
  • Kettenverschleißlehre, Kettenöl, Luftpumpen
  • Stirnlampe, ist abends viel praktischer als eine Taschenlampe, da man beide Hände frei hat

Donnerstag, 16. August 2012

Was ich nicht gebraucht habe

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die ich unnütz mehrere Tausend Kilometer durch Amerika gefahren habe:
  • Schmerztabletten
  • Kopfschmerztabletten
  • Heuschnupfenmedikament
  • eine Erste-Hilfe-Set für Wanderer einschließlich weiterer Medikamente (hat auch noch 22.50 USD gekostet)
  • Regenhose
  • Überschuhe, Winterhandschuhe, Armlinge und Beinlinge hatte ich nur einmal an; da hätte auch 90 Minuten warten geholfen.
  • Radfunktionsunterwäsche (war es nie kalt genug für)
  • Warnweste
  • die Seiten meines Straßenatlases über Alaska, Arizona und von mindestens 33 andere Bundesstaaten - okay teilweise waren die Rückseiten nötig und teilweise bin ich auch in Bundesstaaten gewesen, die ich vorher nicht geplant hatte (Iowa, New Hampshire)
  • eine Ersatz-Nabe für einen Bob Yak, die verbaute ist verbogen, aber ich habe keine Säge die Ersatz-Nabe entsprechend einzukürzen (zur Erinnerung: Die REI-Verkäuferin hatte mir versprochen man könne den Anhänger ohne Werkzeug zusammenbauen.)
  • verschiedene Ersatzspeichen
  • neues Lenkerband (gefällt mir nicht)
  • eine Rolle Toilettenpapier, habe ich nicht benötigt, die meiste Zeit hätte ich außerdem notfalls eine Küchenrolle dabei gehabt
  • meine Gabel habe ich nur zwei- oder dreimal verwendet und da wäre es wohl auch mit dem Löffel gegangen
  • ein Ersatzrücklicht, das Rücklicht selbst habe ich nur einmal wirklich gebraucht - auf dem Weg nach Austin - da war es aber wirklich notwendig. Sonst bin ich Abends nur für WLAN oder Dinner ohne Anhänger und Rücklicht unterwegs gewesen. Das vordere Licht war wichtiger und ich bin dankbar ein gutes mit Nabendynamo gekauft zu.
  • mein deutsches Mobiltelefon versteht die US Frequenzen nicht, war also nutzlos, insbesondere konnte ich deswegen auch nicht auf ein Tagesgeldkonto und Wertpapierdepot (ohne Wertpapiere) zugreifen.

Mittwoch, 15. August 2012

Boston

Ich war nun einige Tage in Boston und möchte das kurz zusammenfassen. Die Bilder habe ich heute auf klein gestellt, da es zu viele sind. Größere Bilder bekommt man, wenn man sie anklickt.
Zunächst eine kurze Zusammenfassung was gut und schlecht an Großraum-Boston ist:

PRO:
  • Es gibt einen Flughafen mit Direktflügen nach Deutschland (die Mitnahme des Fahrrades wird pro Strecke berechnet). Außerdem: Der Flughafen bietet kostenloses Internet (nur ein Werbevideo).
  • Es gibt Nahverkehr. Die Züge sind ziemlich alt und ziemlich zusammen gestückelt, aber man kommt von A nach B.
  • Der Weg nach Cape Cod ist nicht zu weit.
  • Es gibt hier Universitäten.
CONTRA:
  • Die Straßen sind zum Radfahren nicht geeignet. Zu viel Verkehr und zu viele Schlaglöcher.
  • Die Stadt ist an einigen Ecken ziemlich heruntergekommen.
  • Unterkünfte sind ziemlich teuer.
  • Insbesondere in Everett ist es extrem warm, scheint ein lokales Sommerphänomen zu sein. Das ist vor allem dann ungünstig, wenn das Hostel keine Klimaanlage in den Zimmer sondern nur auf dem Gang hat.

Am Freitag bin ich mit dem Rad nach Boston gefahren. Das heißt zunächst bin ich 50 Minuten durch Everett geirrt, bevor ich die richtige Straße gefunden habe.
In Boston bin ich dann als erstes an der North Station vorbeigekommen. Da ich in San Francisco den Bahnhof nicht gesehen habe und in Salt Lake City der Bahnhof eher nach einem Haltepunkt (trotz des Test des High-Speed-Trains) aussah, ist das der erste echte Bahnhof seit ich in Frankfurt aus dem Zug gestiegen.
North Station - ein echter Bahnhof
Danach bin ich zum Park in der Mitte der Stadt - Boston Common - gefahren. Inzwischen war es Mittag und ich habe erstmal was gegessen. Anschließend bin ich der roten Linie auf der Straße, dem Freedom Trail, durch die Stadt gefolgt.
Capitol
Ziemlich touristisch, aber ich bin ja nun mal Tourist.
Italienischer Sattel
Auf den Besuch von Museen habe ich verzichtet. Zum einen bin ich kein großer Fan von Museen und zum anderen geht das auch schnell ins Geld. Beim Tea Party Museum wollten sie 25 USD haben. Apropos Tea Party: No representation without taxation. (den Satz wollte ich schon lange mal unterbringen).
Kriegsschiff aus dem 2. Weltkrieg
Den Abschluss des Freedom Trails bildet das Bunker Hill Monument. Dort wird das geehrt was wir im Deutschen manchmal euphemistisch ein Himmelfahrtskommando nennen. Im Unabhängigkeitsbürgerkrieg haben sich dort Revolutionäre verschanzt und aus ziemlich aussichtsloser Lage heraus britische Truppen bekämpft. Heute feiern sie es als Erfolg, dass sie die Hälfte der britischen Soldaten getötet haben, bevor sie überrannt wurden.
Bunker Hill Monument
Am Freitag hat mir Boston nicht so richtig gefallen. Mit dem Rad war die Stadt ziemlich stressig. Außerdem war das Wetter nicht besonders.
Am Samstag habe ich das Rad dann stehen lassen und den Zug genommen. Ich bin in die Stadt/den Stadtteil Cambridge (das nervt echt, dass die Städte hier ziemlich unkreativ benannt sind) gefahren. Dort habe ich mir das MIT und Havard von außen angeschaut.
MIT
So richtig Spaß macht das nicht. Neben mir haben das aber noch extrem viele andere Touristen und Verwandte von Erstsemestlern gemacht. Wie man neben so vielen Touristen (okay es war Samstag) arbeiten kann ist mir unklar.
Den Sonntag habe ich zunächst damit zugebracht nach Fenway zu gelangen. Dort war der nächste REI store. Zur Erinnerung meine Luftpumpe, die in Wyoming auf der Interstate 90 (die habe ich am Samstag nochmal fotografieren können), kaputt gegangen war, war von REI und musste unbedingt noch gegen Geld zurückgetauscht werden. Außerdem habe ich meinen Schlafsack zurückgegeben (er ist im Sommer oft zu warm, es gibt Schlafsäcke gleicher Qualität bei Walmart für ein Fünftel des Geldes und ich war zu nah an den 430 EUR die ich steuerfrei nach Deutschland bringen darf).
Anschließend bin ich mal zu Starbucks gegangen und habe einen nicht besonderen Smoothie für 5 Bucks getrunken.
Starbucks Smoothie
Nun ja, ich bin froh, dass es entlang meiner Route nicht mehr Starbucks gab, den so richtig anfangen kann ich mit dem Konzept nichts. UFood hingegen hat mich durch den Broccoli anstelle der üblichen Frites überzeugt.
Fast Food by UFood
Eigentlich wollte ich danach im Kino den neuen Bourne sehen. Da aber Matt Damon nicht mitspielt habe ich mich für den neuen Batman entschieden. Das Ende habe ich nicht ganz verstanden, vermutlich fehlt mir Teil 2 der Trilogie für das Verständnis. Anschließend habe ich mir noch den Financial District angeschaut, bevor ich zurück zum Hostel bin um mein Rad vorzubereiten (Kettenwechsel).
Auffällig an Boston ist, dass man neben dem üblichen Spanisch auch andere nicht-englischsprachige Zeitungen sieht.
Spanisch ist hier nicht die zweit-
wichtigste Sprache
(Am Montag war ich in Cape Cod.)
Am Dienstag habe ich dann die meiste Zeit damit verbracht meinen Anhänger zu verschicken. Erste Auskunft bei UPS war: Hunderte Dollar. Danach habe ich dann Lufthansa angerufen, die sich aber geweigert haben den Anhänger zu befördern (ok, ich habe bei den Maßen etwas zu sehr überschätzt). Dann nach habe ich es bei einer US Postal Service Filiale versucht. Die haben mir 70 USD als Preis angeboten, wenn der Karton nicht größer als 108 Zoll (L+2B+2T) ist. So einen Karton konnten sie mir natürlich nicht verkaufen. Zum Glück habe ich im UPS Store nebenan einen gebrauchten Karton bekommen, der mir auf das passende Maß zusammengekürzt wurde. Leider habe ich bei dem ganzen hin und her fahren meine neue Ersatz-Hinterachse und die Manuals für den Anhänger verloren.
Am Abend war ich dann mit Trevor und seiner Freundin Stephanie in den Jamaica Plains was essen.
Heute habe ich mich dann nur noch mit Packen und dem Kauf von Heizungsisolationen zum Verpacken des Rades beschäftigt. Ich bin dann zum Flughafen mit dem Rad gefahren, dass ist nichts besonderes, das habe ich in Lourdes schon mal gemacht.
Danach wäre es natürlich schön gewesen am Flughafen duschen zu können. Leider ist der Logan International Airport einer der Flughäfen wo das nicht geht. Also konnte ich lediglich die Kleidung wechseln.
Logan International Airport
hat leider keine Dusche
Ich habe anschließend mein Rad verpackt und es aufgegeben. Leider wollte man es ohne Box nicht befördern, obwohl mir das bei der telefonischen Anmeldung des Rades versprochen wurde. Dieses Angebot, welches mich damals sehr gefreut hat, war also nicht viel wert. Eine Box konnte man mir auch nicht verkaufen. Außerdem hatte ich die passenden Werkzeuge (vor allem für die Demontage der Pedalen nicht dabei). Nach einigem telefonieren hat man dann unter der Bedingung, dass ich die Verantwortung für Schäden übernehme nachgegeben. Manchmal gibt es keine guten Lösungen, also habe ich zugestimmt. Ich fühle mich aber erpresst.
Zwischenzeitlich habe ich eine neue Begründung für das Verpacken gehört: Es werden Haustiere im Laderaum transportiert. Diese könnten Schaden nehmen, wenn mein Fahrrad in eine Dose oder ein Behältnis (can) rutscht und dabei Flüssigkeit austritt. Die Luft konnte dieses mal in den Reifen bleiben (das war nur kurz am Anfang ein Thema).
Verpacktes Fahrrad
nicht verpackt genug für Lufthansa
Laut der Anzeige hier am Flughafen sind es nach Frankfurt nur 3671 Meilen. Ist aber vermutlich Luftlinie berechnet. Ich hoffe jetzt, dass das Rad heil in Frankfurt ankommt und begebe mich mal Richtung Boarding.

Update: Die FAZ hat scheinbar den hohen Eintrittspreis im Boston Tea Party Museum und Schiffe nicht gescheut und beschreibt was man dort sehen kann.

Was nicht so gut lief

Dies ist der Erste einer kleinen Reihe von Rückblicksartikeln, die ich teilweise schon länger vorbereitet.

Während der letzten Woche habe ich so einiges verloren:
  • Deutschland-farbenes Cappy, in San Francisco im Hostel vergessen,
  • Vorhängeschloss, ging vermutlich auf dem Weg nach Napa verloren, als meine linke Gepäckträgertasche kaputt ging,
  • schwarzes T-Shirt, entweder in San Francisco oder in Napa, wieder aufgetaucht beim Waschtag in Delta
  • Radbrille, bin ich am Lake Folsom mit meinem Rad drüber gefahren, die zweite habe ich dann zu weit aufgebogen beim Aufsetzen (irgendwo in Wisconsin, glaube ich)
  • Netbooktasche, vermisse ich seit dem 17.06. morgens in Ely, könnte ich in Eureka verloren haben,
  • inzwischen vermisse ich zwei Radsocken (eine schon seit geraumer Zeit), die zweite seit dem Waschtag in Lander, sind in Fair Haven vermutlich doch wieder 7 Socken
  • Netbook fallengelassen in Buffalo, zum Glück nur ein paar Kratzer
  • Beim Suchen nach einer Möglichkeit zum Verschicken des Anhängers habe ich die zugehörige Ersatzachse verloren (neu, etwa 30 EUR wert). 

Reparaturen / Defekte:
  • Platfuß hinten, San Francisco Flughafen, California
  • Schaltkabel, vorne, abgerissen in San Francisco, California
  • Plattfuß BOB Yak in Sand Flat, California
  • Platfuß hinten, Highway 50 zwischen Dayton und Silver Springs, Nevada
  • Zeltnagel, von mir umgetreten (zerbrochen) in Baker, Nevada
  • Platfuß hinten, Springville, Utah
  • Platfuß hinten, Diamondville, Wisconsin
  • Zeltnagel, von mir umgetreten (verbogen) in Lander, Wyoming 
  • 2x Plattfuß BOB Yak und defekte Luftpumpe zwischen Buffalo und Gillette, Wyoming
  • 4x Plattfuß hinten und defekter Reifen auf Etappe 31+32
  • 2x Plattfuß hinten auf Etappe 34
  • Plattfuß hinten auf Etappe 36
  • Schaltkabel hinten abgerissen in Sioux Falls, South Dakota
  • 4x Plattfuß hinten auf Etappe 40
  • Inzwischen habe ich noch mehr Zeltnägel umgetreten.
  • Plattfuß BOB Yak und Plattfuß hinten auf Etappe 43
  • Plattfuß hinten und Wechsel Reifen/Schlauch vorn auf Etappe 48
  • Plattfuß hinten auf Etappe 49
  • Plattfuß vorn und hinten auf den letzten 2 km der 59. Etappe
In Summe sind das 2x Schaltkabel und bei Schläuchen 19x hinten, 2x vorn und 4x Anhänger (bei insgesamt 7 verwendeten Reifen, davon die ersten vier bereits älter).

An manchen Stellen war meine Planung zu schlecht:
  • 7. Etappe war nicht als Doppeletappe geplant und ist viel zu hart (und teuer) geworden
  • 14. Etappe habe ich mich zu häufig verfahren (etwa 20 km extra)
  • 41. Etappe habe ich mich ziemlich heftig verfahren.
Gesundheit:
  • Sonnenbrand in San Francisco (insgesamt habe ich nur 3 Flaschen Sonnencreme verbraucht; der Verbrauch war zuletzt deutlich niedriger)
  • Fußpilz in der zweiten Woche (hatte ich erwartet und vorsorglich Medikamente mit genommen)
  • mein linkes Knie schmerzte im östlichen Wyoming hin und wieder
  • leichter Durchfall (zum Glück nur abends) in South Dakota und Minnesota
  • in South Dakota, Minnesota und Iowa (etwa die Etappen zwischen Rapid City und Austin) fühlte sich mein rechtes Knie auf den ersten 5 km seltsam an, wie als würde etwas zwischen dem Kniegelenk klemmen, nach ein paar Dehnungen oder Kilometern ging es dann aber wieder
  • Etwas mehr Durchfall im Osten von Michigan und in New Hampshire, nie während der Etappe.
  • Nach der 54. Etappe habe ich etwas viel Orangen Sorbet gegessen, es war ein quart, also ein knapper Liter.
Außerdem war ich überrascht wie sehr doch meine Ausrüstung geschunden wird:
  • Ich musste Trikot und Hose nähen.
  • Die Sohle der Radschuhe löst sich. Dadurch konnte ich nicht mehr richtig ausklicken und musste zum Teil die Sohle dazu mit der Hand drehen. Die Sohle habe ich geklebt.
  • Mein Lenkerband löst sich langsam auf.
  • Die Bremsbelege sind ziemlich runter, sind aber auch schon knapp 20000 km alt.
  • Meine Hosen und Trikots (und wohl auch meine Unterhosen) passen nicht mehr und sehen auch nicht mehr neu aus.
Und manchmal hatte ich einfach Pech:
  • Ich habe den Verkäufer gefragt, welches Handy ich kaufen soll. Eines war von Verizon eines von AT&T. Er hat auf das AT&T gezeigt.
  • Starker Wind und Regen haben am 4. Ruhetag mein Zelt auf die Seite gedreht und einiges nass geregnet.
  • Wells Fargo war auch eine Enttäuschung. Der Banker beim Eröffnen des Kontos hatte mir Filialen im ganzen Land versprochen und mich gebeten an meinem letzten Tag in eine zu gehen und das Konto wieder zu schließen. Er wusste, dass ich nach Boston fahre - leider hat Wells Fargo in Vermont, New Hampshire, Maine,  Rhode Island und Massachusetts gar keine Filialen oder ATMs. (Das ist Pech, da ich schlicht die erste (nicht regionale) Bank in Sioux Falls genommen habe. Im Westen hatte ich auch viele ihrer Filialen gesehen, so dass ich ganz optimistisch über ihr Filialnetz war.)

Dienstag, 14. August 2012

Letzte Etappe

Heute (Montag) stand die 60. und letzte Etappe auf dem Plan: von Boston nach Cape Cod. Wie schon in den letzten Tagen bezeichne ich die ganze Region Boston inklusiver aller Vorstädte als Boston. Mit Cape Cod meine ich das westliche Ende der (Halb-)Insel auf der Provincetown liegt.
Deswegen ist es auch nicht geschummelt, dass ich heute Morgen die Metro bis Braintree genommen habe. Ich wollte mir die vielen Ampeln, die schlechten Straßen und den Verkehr am Morgen ersparen.
Aufgestanden bin ich um 5. Dann sofort zur Metro-Station Wellington (mit Licht) geradelt. Von dort habe ich den ersten Zug genommen. Im Zug habe ich meine am Vorabend vorbereiteten Erdnuss-Butter-Sandwiches gegessen. In Braintree habe ich dann meine Reifen nochmal aufpumpen wollen. Dabei ist am Hinterreifen Luft entwichen. Ich habe angenommen das Ventil abgerissen zu haben und den Schlauch ausgebaut. Der war aber noch völlig intakt. An der Pumpe war der Aufsatz locker und daher undicht. Ich habe wieder alles zusammen gebaut und aufgepumpt und bin dann um kurz nach 6:30 losgefahren.
Ohne das ganze Gepäck ist das relativ einfach. Ich habe auch meinen kleinen Rucksack extrem leicht gepackt. Die ersten Kilometer bin ich extrem zügig gefahren (30 km/h), dann habe ich etwas raus genommen, damit ich auch wirklich das Ziel erreiche.
Mayflower II

Eine kurze Frühstückspause (kurz vor 9) habe ich in Plymouth gemacht. Dabei habe ich den Nachbau der Mayflower gesehen, aber nicht das Museum, und den berühmten Stein an dem die erste britische Flagge gehisst wurde.
Anschließend ging es auf der 3A weiter nach Süden. Google Maps wollte mich an deren Ende auf die 3 schicken, die hier Autobahn-mäßig ausgebaut ist. Die 3 war aber leider nicht für Fahrräder freigegeben. Ich bin dann auf dem US Highway 6 gelandet, der über die gleiche Brücke führt wie die 3. Ich hoffte, dass vielleicht die Brücke über den Cape Cod Canal freigegeben ist, da es nur zwei Brücken gibt. Aber auch da gab es ein Verbotsschild. Also blieb nur noch die andere Brücke, die der 6A. Aber auch da ein Verbotsschild. Ich habe das Verbotsschild ignoriert, auf der Brücke dann aber den "Fußweg" verwendet. Auf dem ich aber keine Fußgänger gesehen habe.

Nach der Brücke kam eine lange, relativ steile Abfahrt. Durch den Schatten der Bäume und die wechselnden Lichtverhältnisse muss ich irgendwas auf der Straße übersehen haben, was ein richtig großes Loch in meinen Hinterreifen gestochen hat. Damit der erste Platten ohne Gepäck. Ich habe den Reifen von innen mit einem Flicken unterklebt und alles wieder zusammen gebaut.
Anschließend ging es nach Nordosten auf Cape Cod zu, fast alles auf der 6A. Danach dann auf die 6, als es nur noch eine Straße nach Norden gab. Bei Kilometer 155 fühlte sich der Hinterreifen seltsam an. So als wäre zu wenig Luft auf dem Reifen. Ich habe entschieden solange zu fahren wie es geht. Bei Kilometer 165 war immer noch Luft im Reifen. Ich vermute, es war mal wieder die Hitze, die den Reifen am Nachmittag noch weicher gemacht hat, wodurch er zu untersteuern anfing. Ich habe dann wieder etwas zutrauen gefasst, auch nachdem ich den Druck zweimal per Daumendruck kontrolliert habe. Er hat wohl doch kein Loch, aber 0.5 oder 1 bar fehlen bestimmt.
Kurz vor 4 war ich in Provincetown gewesen. Ich wollte noch zum Strand im Westen, um ein richtiges Abschlussfoto mit Vorderreifen im Wasser zu machen. Für das Foto habe ich drei Strandbesucher um Hilfe gebeten. Überraschenderweise erkannte eine Frau (aufgrund eines ähnlichen Fotos ihrer Freunde die von Ost- zur Westküste gefahren sind) sofort den Sinn des Fotos.
Das Rad war natürlich nass und hat eine Menge Sand aufgelesen. Die Reifen waren schnell wieder sauber. Aber die Felgen. Ich habe in einer Abfahrt das erste Mal bremsen müssen und dabei den ganzen Sand von den Felgen weggespritzt. Hat auch ein paar Sekunden gedauert bis ich begriffen habe, dass es nur Sand ist.
Zurück am Fährhafen war ich dann um 16:12 und damit 20 Minuten zu spät für die Fähre um 4. Die nächste ging dann erst um 19:30. Ich hatte also genug Zeit für ein paar Erdbeeren, etwas Eis und eine Cola. Ich habe dann etwas dem Straßenmusiker zugehört und anschließend Postkarten geschrieben.
Fahrräder auf der Fähre - Sonnenuntergang

Kurz nach 9, es war inzwischen wieder dunkel, war die Fähre in Boston. Nach insgesamt 203.81 km in 8:13:06 (24.80 km/h, nach dem Platten hatte ich kaum noch Lust auf Schnellfahren, und mit einem Schlauch von dem man das Ende sehr bald erwartet macht es auch keinen Spaß) war ich dann wieder am Hostel. Insgesamt sind es jetzt 7683.43 km seit meinem Abflug aus Deutschland.

(english paragraph)
Without all the gear it was an easy ride from Braintree near Boston to Provincetown. It was the second time in my life that I rode more than 200 km (125 miles) on one day. This time, with all the training in the last weeks, it was relatively easy.
I had again a flat. I missed the 4pm-ferry by 20 minutes. But besides that it was a beautiful day.
I have cycled 4774.26 miles since I left Germany. Tomorrow (Wednesday) I fly back.